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Sanierung von Holzbalkendecken

Varianten, Konstruktionen, Richtpreise

 


 

Richtpreise UHB-Sanierung

 

Hinweise

Die angegebenen Preise sind als Orientierungsgrössen für eine grobe 

Kostenschätzung zu verstehen. Transportkosten, Einbauort (Geschoss),

Raumhöhe, Schraubenanzahl und -dimension, Menge der Verstärkungshölzer

usw. haben ggf. erheblichen Einfluss auf die Kosten der Sanierung.

Auch Planungsleistungen für Optimierungen und Variantenuntersuchungen

sind nicht enthalten.

 

Planungskosten (Durchführbarkeitsuntersuchungen), Lizenzgebühren

Bearbeitung Schallschutz, Statik, Schwingungen ==> 3 ... 10 EUR/m2

Detailkosten siehe Checkliste UHB-Sanierung

 

 

Fußbodenaufbau

Schwerer Zementestrich auf min. Trittschalldämmplatte 35/30 mm ==> 12 ... 15 EUR/m2

Fußbodenverlegeplatte auf min.  Trittschalldämmplatte 35/30 mm ==> 18 ... 22 EUR/m2

Trockenestrich (Knauf, Fermacell) 32/30 mm ==> 23 ... 26 EUR/m2

Trittschalldämmung, Lewisplatten, 34 mm Zementestrich ==> 48 ... 55 EUR/m2

Trittschalldämmung, PHONEWELL 15 mm ==> 15 ... 18 EUR/m2

 

UHB-Verstärkung (vorh. Decke bleibt komplett erhalten)

Je nach Verschraubung, Querschnitt und Balkenabstand  ==> 48 ... 65 EUR/m2

Querversteifung, falls erforderlich ==> 18 ... 22 EUR/m2

 

Federnd abgehängte Unterdecke

Federschiene, 40 mm Mineralfaser, 2 x 12.5 mm Gipskarton ==> 48 ... 62 EUR/m2

Evtl. eine Lage PHONEWELL 15 mm ==> zusaetzlich 10 ... 15 EUR/m2

Spezielle Akustik- und/oder Brandschutzdecke je nach Hersteller ==> 50 ... 150 EUR/m2

 

Vergleich Traditionelle Sanierung

Vorh. Gefache öffnen, entsorgen, U-Profile beidseitig, Gefache bedämpfen, OSB-Platten ==> 150 ... 180 EUR/m2

Vorh. Gefache öffnen, entsorgen, KERTO-S beidseitig, Gefache bedämpfen, OSB-Platten ==> 150 ... 180 EUR/m2

Zusätzlich:

Planungsleistungen (Schallschutz, Statik, Schwingungen) ==> ???

Fussbodenaufbau siehe oben

Unterdecke siehe oben

Holz-Beton-Verbunddecke (SFS Verbund, HBV Bleche) ==> 38 ... 42 EUR/m2

(ohne vorherige Ertüchtigung der Deckenbalken)

 


 

Standardfall Einschubdecke

 

UHB-Sanierung + federnde Unterdecke + Trockenestrich   

oder

UHB-Sanierung + federnde Unterdecke + weicher Bodenbelag

     

Beschreibung

Die typische Holzbalkendecke ab ca. Mitte des 19. Jahrhunderts bis um 1960

war die s.g. Einschubdecke. Sie bildet in aller Regel die Ausgangskonstruktion

für die meisten UHB-Sanierungen.

Etwa 50% des Deckenhohlraumes (Gefach) wurden mit Schlacke, Sand oder

Lehmschlag gefüllt. Schwarten oder Schalbretter (Einschub) bildeten das

Auflager für diese Füllung. 

Balkenabstände 650 ... 900 mm, Stützweiten 4.50 ... 6.5 m (Sonderfall).

Die mittelschweren Decken hatten Eigenlasten von 2 ... 3 kN/m2.

Mit der oberen Dielung und der unteren Schalung (Putzträger) hat die Decke 

eine gewisse Quersteifigkeit, die ein trägerrostartiges Tragverhalten erzeugt.

Schwachstellen sind die schlechte Trittschalldämmung, grosse Durchbiegungen

und ein ungünstiges Schwingungsverhalten (niedrige Eigenfrequenz).

GÖSELE gibt aus grossen Mess-Serien für nicht sanierte gschlossene

Holzbalkendecken folgende Schalldämmwerte an:

45 dB <= R' w <= 54 dB (Luftschall)

58 dB <= L' n,w <= 71 dB (Trittschall)

Damit werden die Anforderungen nach DIN 4109 nicht eingehalten. 

UHB-Sanierung:

Direkt auf dem vorh. Putz werden statisch dimensionierte UHB-Verstärkungshölzer

b3 * h3 plaziert, mit dem vorh. Deckenbalken nach oben zurückverformt und 

anschliessend mit speziellen Vollgewindeschrauben schräg verschraubt.

Die Decke kann bleiben, wie sie ist, die Gefache werden nicht geöffnet, die

Sanierung erfolgt von unten. Eine Verstärkung von oben ist auch möglich.

Schallschutz

==> Luftschallschutz R' w > 60 dB

==> Trittschallschutz L'n,w < 46 dB (weicher Belag)

Statik

==> 200 ... 300 % Erhöhung der Längssteifigkeit (EJ)längs

==> Erhöhte Nutzlasten und ständige Lasten möglich

Schwingungsverhalten

==> Die Erhöhung von (EJ)längs bringt auch eine günstige Erhöhung 

       der Eigenfrequenz der Decke

==> Durch die Mehrschichtigkeit kann die Dämpfung um 100 % erhöht werden

Brandschutz

==> Zusatzlasten infolge spezieller Brandschutzbekleidungen sind problemlos 

       aufzunehmen

Konstruktionshöhe der Sanierung

==> ko = 5 ... 50 mm Deckenoberseite (Teppich ... Trittschalldämmplatten)

==> ku = 90 ... 130 mm Deckenunterseite

Richtpreise

==> siehe oben

 

 


 

Besonders hohe Trittschallverbesserung:

UHB-Sanierung + federnde Unterdecke + Estrich mit Lewis-Platten  

oder

UHB-Sanierung + federnde Unterdecke + Estrich auf Mineralfaserplatten

 

 

 

Beschreibung

In Kombination mit der üblichen UHB-Sanierung kann mit einer Spezialkonstruktion

auf der Deckenoberseite eine weitere wesentliche Trittschallverbesserung erreicht

werden. Auf dauerelastischen PUR-Trittschall-Schutzstreifen wird eine Estrichschicht

auf verzinkten Schwalbenschwanz-Stahlblechen aufgebracht. Diese entkoppelte

Masse wirkt sich sehr günstig auf den Schallschutz der Decke aus.

Die Entkopplungsqualität der PUR-Streifen wird abhängig von der wirksamen 

Nutzlast gesteuert. 

Um die Bauhöhe ko zu verkleinern, kann die vorhandene Dielung entfernt und die

PUR-Streifen direkt auf den vorh. Deckenbalken angeordnet werden.

Alternative:

Bei Weiternutzung der vorh. Dielung (flächiges Auflager) bietet sich eine Konstruktion

ohne die LEWIS-Platten an, wie z.B. 40 mm Zementestrich, PE-Folie auf

Mineralfaser-Trittschalldämmung 23/20 mm.

 

Da die Estrich-Zusatzlasten von älteren Holzbalkendecken kaum noch aufzunehmen

sind, bringt die UHB-Verstärkung die notwendige Steifigkeitserhöhung.

 

Schallschutz

==> abhängig von Estrichmasse und Entkopplungsqualität

Statik

==> 200 ... 300 % Erhöhung der Längssteifigkeit (EJ)längs

==> Erhöhte Nutzlasten und ständige Lasten möglich

Schwingungsverhalten

==> Die Erhöhung von (EJ)längs bringt auch eine günstige Erhöhung 

       der Eigenfrequenz der Decke

==> Durch die Mehrschichtigkeit und die entkoppelte Estrichschicht auf der Oberseite

       kann die Dämpfung bis 300 % erhöht werden

Brandschutz

==> Zusatzlasten infolge spezieller Brandschutzbekleidungen sind problemlos 

       aufzunehmen

Konstruktionshöhe der Sanierung

==> ko = 65 ... 90 mm Deckenoberseite

==> ku = 90 ... 130 mm Deckenunterseite (ohne Querversteifung)

Richtpreise

==> siehe oben

 


 

Besonders hohe Trittschallverbesserung:

PHONEWELL-Schalldämmsystem

 

Beschreibung

Die neuartigen Schalldämmplatten aus Wellkarton, der mit Quarzsand gefüllt ist,

sind als Trittschallplatten auf der Oberseite oder als Schalldämmplatte direkt

auf den Federschienen des UHB-Systems auf der Unterseite anwendbar. Den

tapezierfähigen Untergrund bildet dann eine auf den PHONEWELL-Platten

angeschraubte Lage Gipskarton 12.5 mm.

Trotz einer Systemdicke von nur 15 mm zeigt das PHONEWELL-System eine

hocheffiziente Dämmwirkung gegenüber Tritt- und Luftschall. Das System ist auch

sehr gut geeignet als Schalldämmplatte auf Wänden oder Dachschrägen.

 

Weitere Informationen:

Fa. Wolf Bavaria GmbH "PHONEWELL"  

 

 


 

Akustik- bzw. Brandschutzdecken

UHB-Sanierung + spezielle Unterdecken  

 

 

 

Beschreibung

Für die oben beschriebenen Deckenverstärkungen (mit oder ohne Querversteifung)

sind Speziallösungen der Unterdeckenkonstruktion möglich. Abhängig von den

Anforderungen bzgl. Schallschutz, Brandschutz, Gestaltung oder Installations-

führungen existieren diverse Unterdecken-Systeme am Markt.

Die Zusatzlasten aus diesen Systemen spielen keine Rolle, da die UHB-Verstärkung

auf nahezu jede Anforderung ausgelegt werden kann.

Schallschutz

==> produktabhängig

Statik

==> Erhöhte ständige Lasten kein Problem

Schwingungsverhalten

==> Die i.d.R. geringen Massen der z.B. Akustikdecken haben kaum Einfluss 

       auf die Eigenfrequenz der Decken

==> u.U. Dämpfungserhöhung durch die Mehrschichtigkeit

Brandschutz

==> Zusatzlasten infolge spezieller Brandschutzbekleidungen sind problemlos 

       aufzunehmen

Konstruktionshöhe der Sanierung

==> ko = abhängig von Zusatzmaßnahmen auf der Oberseite

==> ku = 75 ... 500 ... mm (abhängig z.B. von bequemer Demontierbarkeit)

Richtpreise

==> siehe oben

 

 


 

Sonderfall Wickelbodendecke

 

UHB-Sanierung + zusätzliche unterseitige Querversteifung  

(Unterdecke und Fussbodenaufbau wie oben)

 

Beschreibung

In Bürgerhäusern aus dem 17. bis ca. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden oft s.g.

Windelbodendecken (auch Wickelbodendecke) eingebaut. 

Mit Strohlehm umwickelte Stakhölzer wurden oft direkt mit Deckenputz versehen. 

Je nach Ausfüllung der Gefache werden halbe oder ganze Windelböden unterschieden.

Das System kann in Zusammenwirkung mit der Dielung

keine bzw. nur eine sehr geringe Quersteifigkeit aufbauen, da keine untere 

Deckenschalung (Sparschalung) vorhanden ist. 

Die i.d.R. schweren Decken (3.0 ... 3.9 kN/m2) sind nach heutigen Kriterien

in jeder Hinsicht überfordert. Auch die hier oft benutzten quadratischen Deckenbalken

bringen eine sehr geringe Längssteifigkeit (EJ)längs.

Der gleiche Sachverhalt betrifft Decken mit teilweise oder voll freiliegenden Balken.

UHB-Sanierung

Vor der normalen UHB-Verstärkung (siehe Standardfall) der vorh. Deckenbalken 

wird eine Lage Bohlen in Querrichtung (senkrecht zu den Deckenbalken) 

mit diesen verschraubt.

Damit ist eine erhebliche Erhöhung der Gesamtsteifigkeit der Decke verbunden.

Die statischen und dynamischen Parameter werden wesentlich verbessert.

Schallschutz

==> Luftschallschutz R' w > 60 dB

==> Trittschallschutz L'n,w < 46 dB (weicher Belag)

Statik

==> 300 ... 550 % Erhöhung der Längssteifigkeit (EJ)längs

==> Erhöhte Nutzlasten möglich, z.B. bei Schulen qQ,k = 3.5 kN/m2

==> Falls auf der Deckenoberseite Zusatzmassen (Estrich) für einen erhöhten

       Schallschutz erforderlich sind, kann die Steifigkeit entspr. angepasst werden.

Schwingungsverhalten

==> Die wesentliche Erhöhung von (EJ)längs bringt auch eine günstige Erhöhung 

       der Eigenfrequenz der Decke

==> Durch die Mehrschichtigkeit kann die Dämpfung bis 300 % erhöht werden

==> Die wahrnehmbare Schwingbeschleunigung und die Schwinggeschwindigkeit 

       werden durch die Querversteifung (EJ)quer verringert 

Brandschutz

==> Zusatzlasten infolge spezieller Brandschutz-Unterdecken sind problemlos 

       aufzunehmen

Konstruktionshöhe der Sanierung

==> ko = 5 ... 50 mm Deckenoberseite (Teppich ... Trittschalldämmplatten)

==> ku = 150 ... 250 mm Deckenunterseite

Richtpreise

==> siehe oben

 


 

Spezialsanierung von der Deckenoberseite

Holz-Beton-Verbundkonstruktionen

 

Beschreibung

Seit ca. Anfang der 90er Jahre werden in der Sanierungspraxis Holz-Beton-Verbund-

konstruktionen eingesetzt. Die Holzbalken der Decke werden mit einer Ortbetonplatte

über Verbindungsmittel schubsteif verbunden. Die Betonplatte mit einer evtl.

Bewehrung übernimmt die Druckkräfte, der Holzbalken die Zugkräfte.

Mit diesem Verbundquerschnitt ist eine erhebliche Steifigkeitserhöhung der Decke

möglich. Als Verbindungsmittel existieren diverse bauaufsichtlich zugelassene

Konstruktionen, wie gelochte Bleche, kreuzweise schräge Schrauben u.a.

Als Trennschicht zur bestehenden Decke (Feuchteschutz) wird eine dünne

PE-Folie angeordnet.

Durch den Einsatz von Stahlfaserbeton ergeben sich neue statisch-

konstruktive Qualitaeten.

Mit den üblichen Aufbauten auf der Ober- oder auch Unterseite werden alle

schalltechnischen Forderungen erfüllt.

Es stehen spezielle Online-Berechnungstools zur Verfuegung, die die neuesten

Forschungsergebnisse zum Langzeitverhalten (Schwinden, Kriechen) beruecksichtigen

(siehe unten).

 

Dieses Verfahren ist allerdings auch mit einigen Nachteilen verbunden:

==> Sanierung von oben mit Konstruktionshöhen ho = 60 ... 150 mm

       Dies bringt Probleme mit den Türen und Treppenantritten

==> Die vorh. Deckenbalken sind oft nicht in der Lage, die Zusatzlasten

       aufzunehmen. Hier wäre eine Kombination mit dem UHB-Verfahren denkbar

==> Flächige Abstützung/Spriessung der Decke nach unten erforderlich

==> Eintragung grösserer Wassermengen, die wiederum verdunsten müssen

       (Schwindprobleme)

==> Wechsel des Gewerkes (der Zimmereibetrieb betoniert i.d.R. nicht)

 

 

Holz-Beton-Verbundkonstruktion mit eingeklebten Schubverbindern:

TiComTec HBV-Verbinder nach Z-9.1-557

 

 

Planungstools:

Statik "Webservice H934HBV"  

AVA "Webservice H935HBV"  

 

 

 

Holz-Beton-Verbundkonstruktion mit eingeschraubten Schubverbindern:

Würth ASSY VG plus HBV-Verbinder nach Z-9.1-648

 

 

Planungstools:

Statik "Webservice H934WUE"  

AVA "Webservice H935WUE"  

 

 

 




 

Traditionelle Sanierung

 

Verstärkung mit Stahlprofilen oder Furnierschichtholz

 

 

Beschreibung

Die bisher übliche seitliche Verstärkung von Holzbalken erfordert die komplette

Freilegung der Tragstruktur der Decke. Kernstück der Tragfähigkeitserhöhung

sind Stahlprofile (meist U-Profile) oder Furnierschichthölzer (z.B. KERTO-S), die

mit speziellen Verbindungsmitteln ein- oder beidseitig am Deckenbalken angebracht

werden. Dabei ist von Bedeutung, ob die Verstärkung durchgehend oder bereichsweise

vorhanden ist. Dieser "radikale" Neuaufbau impliziert natürlich alle Möglichkeiten,

die gewünschten Eigenschaften der Decke bzgl. Schallschutz, Statik, Schwingungen

und Brandschutz zu erzeugen. Die Nutzung von KERTO-Platten hat den Vorteil,

ein neues Höhenniveau auf der Ober- bzw. Unterseite zu erreichen.

 

Erhebliche Nachteile dieses Verfahrens sind:

==> sehr hohe Kosten

==> lange Bauzeiten

==> grosser Materialaufwand

==> hohe Schmutz- und Staubbelastung der Baustelle

==> Entsorgungsmengen aus den Gefachen

==> rigoroser Eingriff in eine historisch "gewachsene" Bausubstanz

 

Richtpreise

==> siehe oben

 


 

Ingenieurbuero Dr. Heller

ibh@windimnet.de